Stefan Rothbart im Interview über seinen neuen Roman

 

 

Mit seinem Erstlingsroman hat sich der junge Grazer Nachwuchsautor satirisch aber tiefgründig mit dem 1. Weltkrieg beschäftigt. "Wahrscheinlichkeit des Krieges" wurde von histo-couch.de sogar zum Buch des Monats August 2014 gekürt.

 

Nach einem ebenso erfolgreichen und spannenden Ausflug in die Napoleonische Zeit mit "1809-Die letzte Festung", in der er die Wirren rund um die Belagerung der Stadt Graz im Jahre 1809 beschreibt, arbeitet Rothbart derzeit an einem Roman über die Zeit des Austrofaschismus. Der als Fortsetzung zu "Wahrscheinlichkeit des Krieges" geplante Roman behandelt die sozialen und politischen Umwälzungen nach dem Fall der Doppelmonarchie bis hin zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938. Im Interview verrät uns der junge Historiker warum ihn diese Zeit fasziniert und zugleich besorgt:

 

 

Dein neuer Roman versteht sich als Fortsetzung zu deinem Erstlingswerk über Ersten Weltkrieg und dem Fall der Monarchie. Während viele historische Romane den großen Krieg zum Thema haben, gibt es bis heute kaum Literatur über die Zeit der Ersten Republik. Was war dein Beweggrund einen Roman über den Austrofaschismus zu schreiben?

 

Rothbart: Wie auch bei "Wahrscheinlichkeit des Krieges" haben mich auch hier die sozioökonomischen Verhältnisse nach dem Zerfall der Monarchie gereizt. Die Umwälzungen, die Wirtschaftskrisen und die politischen Polaritäten nach dem Krieg bildeten in den 20er und 30er Jahren das Milieu heraus, welches die wesentliche Grundlage für das Emporkommen des Nationalsozialismus war. Ich wollte diese schleichende Transformation und zunehmende Radikalisierung untersuchen und in einem Roman zum Thema machen, weil ich in den Krisen der 20er und 30er Jahre unheilvolle Gleichnisse mit der heutigen Zeit sehe und ich es brandaktuell finde, dass wir uns mit dieser verhängnisvollen Zeit näher beschäftigen, über die wir im Grunde immer noch recht wenig wissen. Für mich stand die Frage im Vordergrund, was mit einer Gesellschaft passieren muss, sodass am Ende alle einem Fanatiker wie Adolf Hitler zujubeln. Welche Prozesse und Umstände führten dazu, dass sich diese Ideologie letztendlich so breitenwirksam durchgesetzt hat? Wir blicken in der Geschichtsschreibung immer viel zu sehr auf das Endergebnis und nicht auf die Prozesse, die dem vorangingen.

Worum wird es in deinem neuen Roman gehen?

Rothbart: Die Hauptfigur ist wieder jener namenlose Geschichtsprofessor aus dem ersten Teil, der erneut von den Wirren der sozialen und politischen Verhältnisse mitgerissen wird und durch skurrile Zufälle zerst bei den Sozialdemokraten landet, durch Intrigen zwischen den politischen Fronten hin und her gerissen wird und schließlich zum Berater von Dollfuß und Schuschnigg aufsteigt. Dabei erlebt er nicht nur die Kämpfe im österreichischen Bürgerkrieg mit, sondern ist auch Augenzeuge des Attentats auf Kanzler Dollfuß und gerät als geheimer Vermittler der Bundesregierung ins Visier von Nationalsozialisten und italienischen Faschisten. Bis ihn schließlich der "Anschluss" in die Flucht zwingt.

Wird es wieder Begegnungen mit historischen Persönlichkeiten geben?

Rothbart: Es werden wieder zahlreiche historische Personen eine zentrale Rolle spielen. Dollfuß, Schuschnigg, Mussoline und auch Adolf Hitler.

Aber viel mehr lebt der Roman auch von den vielen kleinen Alltagsgeschichten aus dem Arbeitermilieu und der Wiener Kaffeehausszene. Mir war wichtig die Gegensätze der Zeit zu thematisieren.

In "Wahrscheinlichkeit des Krieges" hast du einige Personen wie den Kaiser Franz-Josef sehr karikiert dargestellt. Wird dies auch in deinem neuen Buch ein wesentliches Stilelement sein?

Rothbart: ja, weil über die Satire der Wahnsinn und die Abartigkeit der Zeit für den Leser viel deutlicher zur Schau gestellt wird. Man muss sich nur "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus hernehmen, um zu erkennen, wie entlarvend die Satire sein kann.

Gibt es schon einen Veröffentlichungstermin?

Rothbart: Das Buch wird zusammen mit der Neuauflage von "Wahrscheinlichkeit des Krieges" 2018 erscheinen. Aber momentan laufen noch die Verlagsverhandlungen.

 


Interview auf Histo-Couch.de